Flüchtlingsdrama am Eurotunnel: «Zäune lösen das Problem nicht»

Fluechtlinge vor dem Eurotunnel in Calais

 
 
 

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kritisiert Frankreich und Grossbritannien für ihre Migrationspolitik. Die Situation in Calais sei lösbar.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat Frankreich und Grossbritannien mangelndes Engagement beim Umgang mit Flüchtlingen vorgeworfen. Angesichts der Flüchtlingskrise müssten beide Länder dringend handeln, forderte das UNHCR in Genf.

Das UNHCR erneuerte seinen Aufruf an die französischen Behörden zu einer «dringenden, umfassenden und nachhaltigen Antwort» auf die Lage am Eurotunnel bei Calais. Frankreich müsse die Situation der rund 3000 festsitzenden Flüchtlinge als «zivilen Notfall» betrachten.

Fehlende Zusammenarbeit
Vincent Cochetel vom UNHCR, der dort die Europa-Abteilung leitet, schlug unter anderem vor, ungenutzte Kasernen im Land in Aufnahmezentren umzuwandeln. Das UNHCR kritisierte ausserdem die fehlende Zusammenarbeit Grossbritanniens. So weigere sich London etwa, Anträge auf eine legale Einreise von Flüchtlingen zu bearbeiten, die Verbindungen nach Grossbritannien hätten.

Auf der französischen Seite des Eurotunnels versuchen derzeit täglich hunderte Flüchtlinge, nach Grossbritannien zu gelangen. Rund 3000 Menschen campierten dort unter «entsetzlichen Bedingungen» in Zelten, kritisierte das UNHCR. Viele Flüchtlinge stammen aus Kriegsgebieten wie Syrien, Libyen und Eritrea. Nötig sei ein «umfassender Ansatz», forderte Cochetel. Das Problem gebe es seit vielen Jahren, und es werde weiterbestehen.

Kritik an London und Paris
Stärkere Sicherheitsmassnahmen sind nach Einschätzung des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zur Bewältigung der Flüchtlingsproblematik in Europa ungeeignet. «Zäune lösen das Problem nicht», sagte der UNHCR-Europadirektor, Vincent Cochetel, in Genf mit Blick auf die Lage in Calais.

«Sie fordern die Menschen nur heraus, grössere Risiken auf sich zu nehmen.» Cochetel kritisierte, dass Frankreich und Grossbritannien grössere Aufnahmekapazitäten abgelehnt hätten, ohne anderweitige Lösungen vorzuschlagen.