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Was Frankreich vom Sommer 2003 gelernt hat

Hitzewelle in Frankreich

Die Hitzewelle von 2003 hat in Frankreich 15 000 Todesopfer gefordert. Das soll sich nicht wiederholen. Die erneute Hitze in diesem Jahr wird zum Test.

Die Hitzewelle in Europa im August 2003 ist als eine der schwersten Katastrophen in die Geschichte Frankreichs eingegangen. Nach dieser Tragödie, die auf mangelnde Vorbereitung und Organisation, aber auch unzureichende Einrichtungen in der Betreuung der älteren Mitbürger zurückzuführen war, haben die Behörden auf nationaler und lokaler Ebene Lehren gezogen. Ob diese genügen, wird die Bilanz am Ende dieses Sommers 2015 zeigen, der punkto Hitze, Trockenheit und Ausdauer demjenigen vor zwölf Jahren durchaus nahe zu kommen scheint.

Stark erhöhte Sterblichkeit
Laut amtlichen Schätzungen sind in den extrem heissen und trockenen Sommertagen im Jahr 2003 rund 15 000 Menschen, vor allem ältere und gesundheitlich geschwächte Personen, vorzeitig gestorben. Das bedeutet eine um 55 Prozent erhöhte Sterblichkeit. Mit Abstand am stärksten betroffen waren die Senioren über 75; besonders exponiert waren isoliert lebende Betagte.

Wenn wie gegenwärtig die Temperaturen in verschiedenen Regionen Frankreichs auf 35 oder sogar 40 Grad Celsius ansteigen, werden am Fernsehen die Zuschauer gleich bei der Wettervorhersage vor der drohenden «Canicule» gewarnt. Das bedeutet ursprünglich «Hundstage», ist aber inzwischen zum Begriff des Alarmsignals bei besonders grosser Hitze am Tag und bei Nacht geworden. Ebenfalls in den Medien werden dann die Bewohner der betroffenen Regionen davor gewarnt, unter praller Sonne Sport zu treiben, oder sogar gehalten, von Mittag bis 16 Uhr eine Siesta einzuschalten.

Den älteren Mitbürgern wird eingeschärft, in solchen Hitzeperioden regelmässig und viel zu trinken. Denn die schlimmste Erfahrung von 2003 bestand darin: Viele Senioren sind an Dehydratation gestorben, weil sie keinen Durst verspürt haben.

Besondere Vorkehrungen wurden in den letzten zwölf Jahren auch in den Pflege- und Altersheimen getroffen, wo die Hitze 2003 einen sehr hohen Tribut an Opfern gefordert hatte, da das Personal hinsichtlich dieser Gefahren nicht spezifisch informiert und ausgebildet war. Vor allem wurden vielerorts auch Einrichtungen, welche die Folgen der Hitze mildern, etwa Klimaanlagen und Ventilatoren, installiert.

Verzicht auf Feiertag
Um dies alles zu finanzieren, schuf die Regierung ab 2004 einen nationalen «Tag der Solidarität mit den Betagten». Die Idee war es ursprünglich und unter dem frischen Eindruck der Katastrophe des Vorjahrs, dass alle Erwerbstätigen am Pfingstmontag zugunsten der älteren Mitbürger einen Tag «Sonderschicht» leisten.

Da aber nicht alle bereit waren, diesen Feiertag im Frühjahr zu opfern, kann dieser Einsatz je nach Unternehmen oder öffentlichem Dienst auch an einem anderen grundsätzlich arbeitsfreien Tag erfolgen. Im letzten Jahr kamen so über den Umweg einer von den Arbeitgebern der Caisse nationale de solidarité pour l’autonomie entrichteten Abgabe von 0,3 Prozent der Lohnmasse 2,43 Milliarden Euro zusammen. Dieses Geld dient, wie der Name der zuständigen Kasse verrät, nicht nur der Prävention bei zukünftigen Hitzewellen, sondern auch der generellen Förderung der Autonomie der Senioren.