«Charlie Hebdo» fehlen Zeichner – Magazin erhält Preis in Potsdam


 
 
 

Der Anschlag auf «Charlie Hebdo» schockte die Welt. Die Folgen sind noch immer spürbar. In Potsdam wird das Satiremagazin nun für seine Arbeit geehrt.

Gute Zeichner zu finden, ist für das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» zu einer schwierigen Aufgabe geworden. Die Zeichnungen seien die DNA und das Herz des Blattes, sagte Chefredakteur Gérard Biard (56) der Deutschen Presse-Agentur. Es würden unglaublich viele Zeichnungen angeboten, die aber nicht gut genug seien. «Wir können das Niveau nicht senken.»

Bei einem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» wurden im Januar in Paris zwölf Menschen getötet. Darunter waren die Zeichner Charb, Wolinski, Cabu, Tignous und Honoré, die zu den besten Karikaturisten Frankreichs gehörten.

Am Donnerstag (17.9.) wird die Zeitschrift in Potsdam mit dem M100 Media Award ausgezeichnet, mit dem das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt wird. Biard wird den Preis auf der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium entgegennehmen.

Es gebe ziemlich wenige gute Presse-Zeichner, so Biard. Künstlerisches Talent alleine reiche nicht. Man müsse auch einen pointierten Blick auf die Aktualität, eine politische Kultur und einen Sinn für Humor haben. «Die Latte liegt sehr hoch.» Neue, gute Zeichner zu etablieren, sei sehr langwierig, sagte der Chefredakteur.

Seit dem Anschlag arbeitet das Team in Paris im Haus der Tageszeitung «Libération». Demnächst sollen die Mitarbeiter in neue eigene Räumlichkeiten umziehen, wie Biard sagte. Ein neues Konzept für das Blatt gebe es nicht. «Wir setzen das fort, was wir bisher gemacht haben.»

Die Zahl der Abonnenten liegt laut Biard momentan bei etwa 180 000. Zudem gingen um die 100 000 Exemplare im freien Verkauf über den Ladentisch. «Uns ist sehr bewusst, dass das immer noch enorm ist», sagte er. Vor dem Attentat wurden 60 000 Hefte gedruckt. Die Auflage der ersten Ausgabe nach dem Anschlag lag bei fast acht Millionen Exemplaren. Weltweit solidarisierten sich damals Menschen mit der Zeitung und ihren Mitarbeitern – unter anderem mit dem Slogan «Je suis Charlie» («Ich bin Charlie»).

«Heute bekommen wir dieselbe Kritik und dieselben Vorwürfe, die ich „Ja, aber….“ nenne : „Ja, der Terrorismus ist nicht gut, aber…. ihr seid vielleicht zu weit gegangen“. Das haben wir immer gehört, und das haben wir sehr schnell wieder gehört», sagte Biard. Es habe also kein tiefgehendes Nachdenken stattgefunden, kritisierte der Chefredakteur, der eine «Konfusion von Politik und Religion» beklagt.

«Das, was passiert ist, ist aus politischen Gründen passiert», sagte Biard. Der Islam sei eine Religion, nicht aber der Islamismus, dieser sei eine politische Instrumentalisierung. Und das wollten viel zu viele Leute nicht wahrhaben. Wenn man zeichne und den Islamismus kritisiere, wenn man den Propheten Mohammed karikiere und islamistische Fundamentalisten – genauso übrigens wie katholische Fundamentalisten – karikiere man politische Ideologien, sagte Biard.