Ohne Stau und Hupkonzert – Autofreier Sonntag in Paris


 
 
 

Von Jessica Camille Aguirre, dpa

Wie viele Metropolen leidet auch die französische Hauptstadt unter dem Autoverkehr. Doch das Fahrrad ist für viele Pariser noch immer keine Alternative. Bürgermeisterin Hidalgo will das öffentlichkeitswirksam ändern – auch gegen Widerstände.

Einmal die Champs-Élysées und die anderen namhaften Pariser Boulevards ohne Hupkonzert entlang flanieren – am Sonntag wurde diese Vision Wirklichkeit. Unter strahlend blauen Himmel konnten die Pariser ihr Stadtzentrum einige Stunden lang von einer ruhigeren und weniger gefährlichen Seite kennenlernen, frei von jeglichem Autoverkehr.

Gut zwei Monate vor der UN-Klimakonferenz in Paris sollte der Aktionstag ein Zeichen setzen. «So können wir zeigen, dass Paris ohne Autos funktionieren kann», hatte die Bürgermeisterin Anne Hidalgo angekündigt. Von wenigen Ausnahmen für Einsatzfahrzeuge und einigen Taxis abgesehen, blieb das Zentrum der französischen Hauptstadt am Sonntag zwischen 11.00 Uhr und 18.00 Uhr frei von Autoverkehr.

«Das ist ein großartiger Weg, um die Menschen für das Thema Umweltverschmutzung zu sensibilisieren», sagte die 50-jährige Monica Petit. «Die Franzosen sind beim Thema Umwelt noch immer nicht sensibel genug», meinte auch die Studentin Severine Leduc. «Die Grünen haben hier nicht so einen Einfluss auf den öffentlich Diskurs wie beispielsweise in Deutschland», ergänzte die 23-Jährige.

Ziel des Aktionstages war es unter anderem, den Fahrradverkehr zu fördern und die Luftverschmutzung zu verringern. So steigen in Paris im Vergleich zu anderen europäischen Städten relativ wenige Menschen aufs Rad. Das soll sich ändern. Bis 2020 soll die Strecke der Radwege noch einmal verdoppelt werden, der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr soll von 5 auf 15 Prozent steigen. Dies zeigt aber auch, dass Paris noch einiges aufzuholen hat: In München, Köln, und Berlin liegt der Fahrradanteil schon heute in diesem Bereich – ganz zu schweigen von Fahrradmetropolen wie Kopenhagen.

Selbst die konservative Opposition im Stadtrat unterstützt grundsätzlich das Ziel Hidalgos, den Autoverkehr zu begrenzen – auch wenn sie bei konkreten Maßnahmen Bedenken hat. Das scheint Folgen zu haben: Laut Hidalgo haben heute noch 40 Prozent der Pariser ein eigenes Auto – 2001 seien es 60 Prozent gewesen. Der Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen ging von 2001 bis 2013 um ein Viertel zurück.

Für manch jüngeren Menschen ist der Besitz eines eigenen Wagens ohnehin verzichtbar geworden. «Für mich ist es nicht notwendig, ein Auto zu haben», sagt der Student Jean-Roland Vincent. Benötige er doch mal eines, nutze er das Car-Sharing über Onlineanbieter.

Doch die Ambitionen der Bürgermeisterin stoßen an diesem Tag bei einigen auch auf Skepsis. «Paris wird nie eine Umweltzone», glaubt Andre Clogenson. «Das ist nicht mehr als eine Aktion vor der UN-Klimakonferenz», sagt der 36-Jährige.

Hidalgo sieht ihren autofreien Tag denn auch als Teil einer «Erziehungsbewegung», wie sie der Zeitung «Le Parisien» sagte. Sie hofft, dass die nächste Auflage im kommenden Jahr dann auch einen größeren Teil der Stadt umfasst – das hatte der vom Staatspräsidenten ernannte Polizeipräfekt diesmal noch verhindert. Am Sonntag twitterte die Bürgermeisterin: «Ein großes Glück, die Champs-Élysées ohne Autos, zur Freude der Fußgänger und Radfahrer.»