Königlicher Pomp im Revolutionsland Frankreich


 
 
 

Eine Szene mit gewisser Pikanterie: Der Präsident einer islamischen Republik an der Seite des gastgebenden Oberhauptes eines zutiefst laizistischen Staates mit langer Revolutionsgeschichte im prunkprotzenden Palast einer königlichen Mätresse. Der Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rohani bei Frankreichs Staatschef François Hollande im Élyséepalast war im Januar ein sichtbares Beispiel alltäglicher Widersprüchlichkeiten im Land des EM-Turniers.

Franzosen sind sehr stolz auf ihre revolutionäre Vergangenheit. Ihre Vorfahren schleiften das Gefängnis Bastille – der 14. Juli ist bis heute Nationalfeiertag -, plünderten das Schloss Versailles, verjagten oder meuchelten die Könige und gründeten die erste Republik.

In den Prachtbauten von Paris scheint die royalistische Vergangenheit die Repräsentanten des demokratischen Staates bis heute einzuholen. Der Präsident residiert im einstigen Wohnsitz der legendären Jeanne Antoinette Poisson, besser bekannt als Madame de Pompadour, Gespielin von Ludwig XV. Auch die Sitze des Premierministers sowie von Außen-, Innen- und Verteidigungsminister sind mit Stuck, Deckengemälden und Wandteppichen überladen.

Bei Veranstaltungen des Präsidenten sind Abläufe üblich, die an höfische Rituale im vergoldeten Ambiente des Élyséepalastes denken lassen. Im Ehrenhof wacht derweil die Nationalgarde – gegründet in den revolutionären Zeiten des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Jüngere Regierungsmitglieder können über sowas lachen oder lästern auch mal gründlich – wollen dann aber doch lieber ungenannt bleiben.