Frankreich: 72 Prozent wollen den Euro behalten


 
 
 

Umfragen sehen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Le Pen und Macron

Umfragen können ziemlich in die Irre führen. Seit dem Brexit und Trumps Wahlsieg ist der Vorbehalt gegen sie gewachsen. Den Schwächen zum Trotz bleiben sie ein von den Medien gehätscheltes Barometer der Stimmungslage, weil es nichts anderes gibt, das an ihre Stelle rücken könnte. Man braucht sie als politischen Wetterbericht und um dem Wahlkampf-Stress anzufachen.

Auch wenn die „Seismographen“ die beiden genannten politischen Erdbeben nicht auf dem Schirm hatten, kann man davon ausgehen, dass Umfragen von der Öffentlichkeit weiter beachtet werden und die Wahlkampf-Teams auf die Rückmeldungen reagieren.

Der „Spielstand“: Macron und Le Pen gleichauf

In Frankreich führt OpinionWay /ORPI im Auftrag der Wirtschaftszeitung Les Echos eine tägliche Umfrage durch. Am Freitag meldete die Zeitung eine „Sensation“: „Exklusiv – zum ersten Mal in der Umfrage Présitrack Opinionway/ORPI erreichen die Präsidentin des Front National und der Führer von „En Marche“ den gleichen ‚Spielstand‘ bei den Wählerabsichten für die erste Runde der Präsidentschaftswahlen mit jeweils 26 Prozent der Stimmanteile.“

Das Kopf an Kopf-Rennen von Le Pen und Macron zeigte sich auch in einer anderen Umfrage ein paar Tage zuvor bei Ipsos für Le Monde, wo Le Pen aber mit 27 Prozent in Führung lag. Mit vier Prozentpunkten Abstand folgte Macron. Der Kandidat der Republikaner, Fillon, erreichte hier 19,5 Punkte. Bei Les Echos schneidet er mit 20 Prozent ähnlich ab.

Darüber hinaus zeigt sich ein Phänomen, das bei der Regierungspartei PS und die Minen nach unten zieht: Benoît Hamon treibt abgeschlagen bei 13,5 Prozent. Ähnlich der Kandidat der Linken „La France insoumise“, Jean-Luc Mélenchon, er erreicht bei Ipsos 12 Prozentpunkte. Auch bei OpinionWay /ORPI sieht es für Hamon nicht entscheidend besser aus: Er erreicht hier 14 Prozent und Mélenchon 11 Prozent.

Die beiden könnten mit einem gemeinsamen Wahlkampf wahrscheinlich mehr erreichen, aber dagegen stehen hauptsächlich wohl persönliche Ambitionen und Abgrenzungsdogmen der Linken. Insgesamt lässt sich aus der Außenperspektive sagen, dass es dem Wahlkampf der beiden Kandidaten links von der Mitte an Überzeugungskraft fehlt, um außerhalb ihrer Lager gegen den viel stärkeren medialen Spannungsmoment anzukommen, den Le Pen, Macron oder auch Fillon mit seiner Unbeirrbarkeit trotz der Affäre in der Öffentlichkeit erzeugen.

Die unbekannten 32 Prozent

Bemerkenswert ist, dass sich sämtliche Umfragen darin einig sind, dass Marine Le Pen zwar in die Stichwahl Anfang Mai kommt, dass sie aber dann gegen den anderen Kandidaten verlieren wird. In den beiden genannten Umfragen sieht das die folgt aus.

Mit 38% versus 62 Prozent verliert Le Pen bei Le Monde/Ipsos gegen Macron und mit 45 versus 55 Prozent gegen Fillon. Bei Les Echos sieht es wieder sehr ähnlich aus: Le Pen würde in der Stichwahl gegen Macron nur 35 Prozent der Stimmen erhalten und gegen Fillon 40 Prozent. Die Umfrage der Wirtschaftszeitung verzeichnet hier einen absteigenden Trend Le Pens. Dass sie bei vorigen Umfragen 44 Prozent erhielt, heißt aber auch, dass sie sich der Mehrheit näherte.

Als völlig ausgeschlossen gilt, dass Le Pen schon in der ersten Runde eine Mehrheit erhält. Das wäre die noch viel größere Überraschung als ein Wahlsieg in der zweiten Runde.

Dass aber auch Möglichkeiten für dieses seltene Ereignis bestehen, war vergangene Woche bei Le Monde nachzulesen. Dort wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Prozentsatz derjenigen, die sich der Stimme enthalten wollen, bei 32 Prozent liegt.

Da bei diesem hohen Gesamtprozentsatz nicht diejenigen, die „ganz sicher nicht wählen“, die Mehrheit stellen, sondern die noch Unentschlossenen, mit etwas über 20 Prozent in den Mitte-Lagern und etwa 10 Prozent bei den radikaleren linken wie rechten Lagern, sind Überraschungen sehr wohl möglich.

Für den Euro und wider die EU?

Am Ende noch eine andere verzwickte „Überraschung“: Les Echos präsentierte am Donnerstagabend das Ergebnis einer Umfrage, wonach 72 Prozent der befragten Franzosen den Euro behalten wollen. Nur 28 Prozent wollen, wie es Le Pen vorschlägt, zur alten Währung Franc zurück (auch unter FN-Anhängern sind es „bloß“ 60 Prozent, die den Franc zurückhaben wollen). Am stärksten gegen die alte Währung haben sich übrigens die Rentner ausgesprochen.

Zugleich aber gibt es auch „Wasser auf die Mühlen“ des Wahlkampfteams der FN-Kandidatin, die ihre Kampagne gegen die EU ausrichtet. 37 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass die Nachteile der EU überwiegen, nur 31 Prozent gaben an, dass die Vorteile der EU überwiegen. Unter den Jungen (18 bis 24 Jahre alt) war es etwa die Hälfte. Früher waren das mehr. Die meisten EU-Anhänger verzeichnete die elab-Umfrage mit 44 Prozent unter den „cadres“, annäherungsweise und frei übersetzt mit „Führungskräfte“.