3 Weine, die Sie im Frankreich-Urlaub trinken sollten

12 Millionen Besucher besichtigen jährlich die Weinbaugebiete Frankreichs. Warum das Land zu den wichtigsten Erzeugerländern zählt, hat nicht nur mit dem zweiten Platz in der Rangliste der größten Erzeugerländern zu tun. Im Vergleich zu Griechenland und Italien ist das westeuropäische Land ein eher junges Weinbau-Gebiet. Historisch gesehen gibt es mehrere Erklärungen für die Weinmacht Frankreich: Bereits 600 v.Chr. brachten griechische Einwanderer Rebpflanzen in das heutige Marseille (Gallien) – und so eroberten die wärmeliebenden Pflanzen Südfrankreich. Jahrhunderte später sollte zwischen Gallien und Rom ein reger Weinhandelt entstehen. Die größte Ausdehnung erfuhr der Weinbau flächenmäßig allerdings im Mittelalter, inklusive einem regen Handel mit England.

Ein weiterer Grund für die Vormachtstellung des westeuropäischen Landes liegt in dessen strenger und umfangreicher Klassifizierung von Weinen, das „Institut National des Appellations D’Origine“ wurde bereits 1935 gegründet und überwacht Qualitätsstufen bzw. kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (Appellation d’Origine Contrôlée, früher mit AOC abgekürzt, heute mit AOP). Mehr als die Hälfte der Weinproduktion stammt aus dieser Kategorie, es folgen Vins Délimités de Qualité Supérieure (VDQS), Landweine (IGP) und Tafelweine (Vin de France).

Auf 846.000 Hektar produziert Frankreich 41,9 Millionen Hektoliter Wein, zum Vergleich: Österreich produziert auf 45.000 Hektar rund 2,3 Millionen Hektoliter. Mehr als 70 Prozent der Rebfläche entfallen auf rote Traubensorten. Weltweite Bekanntheit haben französische Traubensorten, die nicht nur im eigenen Land angebaut werden: So belegen Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay die Plätze sechs, sieben und acht auf der Rangliste der weltweit am meisten angebauten Rebsorten. Zu den wichtigsten der 17 Weinbau-Gebiete zählen Bordeaux, Burgung, Champagne, Elsass oder Rhône. Die Wetterbedingungen sind ideal für Weinbau: Generell bringt das mediterrane Klima viele Sonnenstunden, eine Brise vom Meer und ausreichend Regen – der Golfstrom hingegen verhindert zu kalte Temeperaturen auf Atlantik-Seite. Aus den kühlen Regionen kommt Champagner, aus dem Burgund gedeihen Pinot Noir und Chardonnay, im Bordeaux Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Weinlese findet zwischen Ende August und Mitte Oktober statt, Regionen wie das Rhônetal zelebrieren dies mit zahlreichen Festen rund um die Traube.

Im Süden und Südwesten des Landes, vor allem Bordeaux, werden Rotweine aus mehreren Sorten gemischt, die Cuvées sind unter dem Begriff Bordeaux-Verschnitt bekannt. In nördlichen Gebieten wie Chablis, Elsass, Loire keltern Winzer eher sortenrein aus einer Rebsorte. Im Burgund sind das Lagen- und das damit zusammenhängende Klassifizierungs-System besonders ausgeprägt.

Thomas Juranitsch, Sommelier bei Silvio Nickol, empfiehlt drei Weine, die Wein-Liebhaber und Frankreich-Urlauber probieren sollten:

1. Chardonnay: Die Weinlagen des Burgund stehen unter Schutz der Unesco, bei Chablis handelt es sich um die nördlichste Weinbau-Region im Burgund. „Dort wird ausschließlich Chardonnay angebaut, der unter dem Namen Chablis vermarktet wird. Die frischen, fruchtigen Weine bieten je nach Lage eine große Vielfalt“, erklärt Juranitsch. In der Klassifizierung am höchsten stehen die sieben Grands Crus (97 Hektar), die auf dem breiten Hügel­rü­cken gegen­über der Stadt Chablis liegen. Für Fortgeschrittene eignen sich Weine aus der Weinbau-Region Maçon: „Die eleganten, holzigen, mineralischen Weißweine sind Cuvées und werden aus Chardonnay, Pinot Noir und Aligoté gekeltert.“ Die Weine aus der Region Montrachet sind weltberühmt: „Die meisten der Lagen haben Premier-Cru-Status. Diese Lagen liefern zartfruchtige, ausdrucksvolle Weine. Die hohen Preise lassen sich mit den kleinen Lagen und geringen Produktionsmengen erklären – zudem lassen die Winzer wirklich nur die besten Beeren an der Traube und schneiden sehr viele Beeren weg.“

2. Val de Loire: In dieser Region zwischen Roanne, Nantes und Saint-Nazaire entstehen auf rund 70.000 Hektar rund zehn Prozent der französischen Wein-Produktion. Die weißen Weine der Weinbaugebiete Coteaux du Layon, Montlouis-sur-Loire, Savennières und Vouvray werden aus der Rebsorte Chenin Blanc gekeltert. „Die Traubensorte wird bereits seit Jahrhunderten in Frankreich angebaut und dürfte von Sauvignon Blanc und dem roten Traminer abstammen. Chenin Blanc-Weine zeichnen sich durch eine hohe Säure aus. Die Traube ist sehr für Edelfäule anfällig, es entstehen schöne fruchtbetonte, präzise Weißweine. Außerdem werden hochtrockene Süßweine aus ihr gekeltert.“ Die Sorte ist ein Allroundertalent, aus ihr entsteht auch ein bemerkenswerter Schaumwein.

3. Jura: Das aufstrebende Weinbau-Gebiet Jura liegt zwischen dem Burgund und der Schweiz und produziert leichte, trinkfreudige Weine. Urlauber sollten Weine aus der Poulsard-Traube probieren, meint der Sommelier von Vier-Haubenkoch Silvio Nickol: „Die rote Traubensorte ist arm an Pigmenten so hell, dass sie im Glas oft mit einem Rosé verwechselt wird. Im Geschmack hellbeerig und aromatisch mit wenig Alkohol: Ein Rotwein für Weißweintrinker, der zu leichten Gerichten wie Raclette oder Geflügel gerne getrunken wird.“ Die Rebe gilt als sehr anspruchsvoll und wird nur auf 300 Hektar angebaut.



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