Frankreich fürchtet rechtsradikalen Terrorismus

Eine Gruppe junger Männer aus dem Süden des Landes soll Anschläge auf Moscheen und Politiker geplant haben. Ihr mutmasslicher Anführer huldigte dem norwegischen Attentäter Anders Breivik.

Seit drei Jahren sieht sich Frankreich von einer Welle schwerer Anschläge mit islamistischem Hintergrund bedroht. Doch in diesen Tagen diskutiert das Land auch über die Gefahr eines neuen, rechtsradikalen Terrorismus, der von jungen Franzosen ausgehen könnte, die sich gegen die Einwanderung mit Gewalt zur Wehr setzen wollen. Gegen drei 17-jährige Jugendliche und fünf Männer zwischen 18 und 29 Jahren wurden am Wochenende Terror-Ermittlungen eröffnet. Sieben bleiben in Untersuchungshaft, einer der Minderjährigen kam unter besonderer Aufsicht auf freien Fuss, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte.

Waffen und Hetzschriften

Die jungen Männer sollen alle aus dem persönlichen Umfeld von Logan Alexandre Nisin stammen, einem 21-Jährigen, der bereits im Juni in seiner Heimatstadt Vitrolles nahe Marseille festgenommen wurde. Er steht im Verdacht, eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben. Nisin war ins Visier der Ermittler geraten, weil er eine Facebook-Seite verwaltete, die dem rechtsextremen Terroristen Anders Breivik huldigt, der 2011 durch eine Autobombe in Oslo acht Personen tötete, bevor er in einem Sommerlager der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei 69 überwiegend junge Leute erschoss.

In der Wohnung im historischen Zentrum von Vitrolles, die Nisin mit seiner Mutter bewohnt, fanden die Ermittler ein legal erworbenes Gewehr und zwei Pistolen. Laut Recherchen der Zeitung «Le Monde» hatte Nisin dort auch einen Plakatentwurf aufbewahrt, mit dem er offenbar Gleichgesinnte anwerben wollte. «Nordafrikaner, Schwarze, Dealer, Migranten, Lumpenpack, Jihadisten, wenn du auch davon träumst, sie alle umzubringen, wie wir es gelobt haben, dann schliesse dich uns an!»

Der junge Mann, der eine Ausbildung in der Metallverarbeitung absolviert und zuletzt Jura studiert haben soll, leugnete gegenüber den Ermittlern nicht seine Gesinnung und seine Sympathien für Breivik. Wie «Le Monde» berichtet, hatte er seine Gruppe «Organisation armée secrète» genannt, in Anlehnung an die gleichnamige paramilitärische Untergrundorganisation, die versuchte, Anfang der 1960er Jahre die bevorstehende Unabhängigkeit Algeriens zu verhindern. Nisin wollte mit seiner Organisation angeblich die Rückkehr der Migranten in ihre Heimatländer bewirken. Zu diesem Zweck sollten Anschläge auf Moscheen, Migranten und Politiker verübt werden – unter ihnen der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon und Regierungssprecher Christophe Castaner.

Mélenchon wirft Behörden Schweigen vor

Es ist jedoch unklar, wie ausgereift diese Pläne waren. Der Anwalt Nisins spricht von «Provokationen» statt konkreten Anschlagsplänen. Mélenchon, der Gründer der sozialistischen Partei La France insoumise (Unbeugsames Frankreich), der in diesem Jahr auch als Präsidentschaftskandidat durch das Land reiste, warf den Sicherheitsbehörden vergangene Woche vor, ihn nicht früher vor der Gefahr eines Attentats gewarnt zu haben. Sein Bitten um erhöhten Personenschutz während des Wahlkampfs war abgelehnt worden. Von den Plänen der Rechtsradikalen hatte auch der Politiker erst durch den investigativen Bericht von «Le Monde» erfahren.

Zuletzt hatte 2002 ein rechtsextremer Einzeltäter am Nationalfeiertag auf den früheren Präsidenten Jacques Chirac geschossen, diesen jedoch nicht getroffen. Zuschauer halfen, den Täter zu überwältigen. Vor dem diesjährigen Nationalfeiertag hatte ein junger Mann, der sich als Nationalist bezeichnete, gedroht, Präsident Emmanuel Macron bei der Parade zu töten. Der Mann wurde ebenso wie Nisin im Juni festgenommen, allerdings besteht zwischen den beiden offenbar keine Verbindung.

Nisin galt laut den Recherchen von «Le Monde» in seinem südfranzösischen Umfeld als Einzelgänger, der wegen des nervösen Zuckens seines Auges Spott auf sich zog. Er hatte sich allerdings seit seiner Jugend mehreren rechtsextremen oder rechtspopulistischen Vereinigungen angeschlossen und war durch deren Aktivitäten auch schon in Kontakt mit der Polizei gekommen. Bei der rechtsextremen, monarchistischen Action française engagierte sich der junge Mann eineinhalb Jahre lang, er verliess die Gruppe aber, weil sie ihm zu wenig radikal gewesen sein soll.

Angebliches Intermezzo beim Front National

Besondere Aufmerksamkeit löste im Bericht von «Le Monde» die Information aus, Nisin habe im vergangenen Frühjahr für Marine Le Pen Wahlkampf gemacht und es sei ihm in seiner Heimat sogar ein Posten in der Jugendarbeit der Partei angeboten worden. Das Scheitern der rechtspopulistischen Kandidatin, so legt der Bericht nahe, habe Nisin in Verzweiflung gestürzt und ihn zusätzlich darin bestärkt, seine politischen Ziele nun mit anderen Mitteln durchzusetzen.

Örtliche Vertreter des Front National streiten ab, den jungen Mann zu kennen. Schon seit dem Frühsommer kursiert jedoch ein Bild im Internet, das angeblich Nisin zusammen mit Marion Maréchal-Le Pen, der Nichte der Parteichefin, zeigt. Sprecher des Front National distanzierten sich von jeglicher Gewalt und wiesen darauf hin, dass sämtliche Attentate, die Frankreich in den vergangenen Jahren getroffen haben, aus dem Dunstkreis von Islamisten gekommen seien.



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