Napoleon wollte Korsika allein am Duft erkennen

Korsika gehört zwar zu Frankreich, hat aber eine ganz eigene Identität. Das zeigt sich nicht nur bei der Sprache, sondern auch in der Küche. Wie wär‘s denn mal mit Kastanienbier und gebackenen Migliacci?

Rechts blanke Felsen und massive Granitvorsprünge, links nur eine kleine Mauer, die vor dem Abgrund schützen soll. Haltepunkte gibt es auf der engen und kurvigen Straße kaum, die sich hoch nach Casamaccioli im Norden Korsikas schlängelt. Auf einer Länge von etwas mehr als zehn Kilometern überwindet die Straße 500 Höhenmeter.

Casamaccioli ist eines der höchsten und abgelegensten Dörfer der Insel, die seit 1768 zu Frankreich gehört. Doch an diesem Tag ist man auf dem Weg dorthin nicht allein. Es ist der 8. September, der Geburtstag der Jungfrau Maria, der Tausende von Menschen in das Bergdorf lockt. Denn hier wird Korsikas berühmtestes Marienfest gefeiert: A Santa di u Niolu.

Die Strecke durch die Scala di Santa Regina, die „Treppe der Heiligen Königin“, ist nicht ungefährlich. Die 15 Kilometer lange Schlucht gehört dafür aber zu den schönsten der Insel. Casamaccioli liegt in der Region Niolu, einem Hochplateau im Landesinnern, umrahmt vom Monte Cintu und der Paglia Orba, den mit 2706 Metern und 2525 Metern höchsten Bergen Korsikas.

Rund 30 Kilometer sind es von der früheren Inselhauptstadt Corte hier hinauf. Lange Zeit war die Scala di Santa Regina, durch die einst ein Maultierpfad führte, der einzige Zugang zum Niolu. Heute gelangt man auch über den auf rund 1664 Metern gelegenen Col de Vergio – den höchsten Pass Korsikas – nach Casamaccioli.

Korsika dankt Maria für den Schutz vor der Pest

Das Marienfest wird gefeiert, weil die Jungfrau Maria Schutzpatronin Korsikas ist. Die Korsen danken der Gottesmutter vor allem für den Schutz vor der Pest, die in der Geschichte mehrmals auf der von Invasionen und Eroberungen geprägten Mittelmeerinsel wütete. In ihrer Dankbarkeit haben sie Maria sogar ihre Nationalhymne „Diu vi salvi Regina“ gewidmet.

Ankunft in Casamaccioli. Auf dem Platz vor der gelb getünchten Kirche herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Unter die Einheimischen haben sich auch Touristen gemischt, die ihre Handys und Kameras auf den Prozessionszug richten. Der Bischof geht voran, eine Madonna aus Holz wird getragen, es folgen mehrere Bruder- und Schwesternschaften.

Mehr als 50 dieser kultisch-religiösen Zusammenschlüsse gibt es auf der Insel. Der bunte Zug endet auf dem zentralen Dorfplatz mit der Granitola, einem in sich verschlungenen Parcours, der eine Art Spirale bildet. Die Ursprünge der Tradition solcher Prozessionen sind bis heute rätselhaft. Dennoch sind es weit verbreitete Rituale, das ganze Jahr über kann man sie auf zahlreichen religiösen Feierlichkeiten beobachten.

Sogar die Milch bekommt ein würziges Aroma

Die Prozession von Casamaccioli zieht an Gemäuern, Gläubigen und Touristen vorbei, aber auch an Verkaufsständen mit korsischen Spezialitäten – wie dem butterweichen Schinken Prisutu, der luftgetrockneten Lonzu, einer Wurst aus halbwilden Schweinen, und dem Calenzana, einem milchigen Ziegenkäse mit pikantem Aroma.

Aus der korsischen Küche nicht wegzudenken ist der weiche Brocciu, Frischkäse aus Ziegen- oder Schafsmilch. Die Bauern und Händler in Casamaccioli verkaufen ihn in allen Formen und Varianten, denn man kann ihn zu jeder Mahlzeit servieren: morgens als Brotaufschnitt, mittags oder abends im Omelette und nachmittags in jedem Fiadone (Käsekuchen).

Am besten sei der Brocciu zwischen Ostern und Allerheiligen, sagen die Menschen von der Insel. Denn durch die jungen Gräser und Kräuter, die die Tiere zu dieser Zeit fressen, bekomme die Milch ein besonders würziges Aroma.

Apropos Aroma: Die Korsen würzen gern und reichlich. Die Macchia, wie der immergrüne Buschwald auch auf Korsika genannt wird, bedeckt die Hälfte der Insel und verströmt den Duft von Thymian, Majoran, Rosmarin, Basilikum und Myrte. Napoleon Bonaparte, einst Kaiser der Franzosen und wohl der bekannteste Korse, soll gesagt haben, dass er die Insel mit verbundenen Augen allein am Duft erkenne.

Ob er auch die Migliacci meinte? Das sind Pfannkuchen aus dem Backofen mit frischem Brocciu-Käse, die schon lange auf dem Speiseplan der Korsen stehen, und: Sie sind ein wahrer Hochgenuss.

Eine Mischung französischer und italienischer Einflüsse

Ebenfalls ein Nahrungsmittel mit Tradition ist das kühle Pietra, Korsikas süßlich schmeckendes Kastanienbier. Kastanienmehl übrigens dient den Inselbewohnern als Grundlage zahlreicher Gerichte und Produkte. Seit einigen Jahren wird sogar Whisky aus ihm destilliert.

Neben Weizen und Mais sind rund 500 Kastanien für eine Flasche Pietra Mavela nötig, erfährt man bei einem Besuch der Domaine Mavela bei Aléria an der Ostküste. Das in Eichenfässern gelagerte Getränk kann vor Ort probiert werden. Ob amerikanische oder schottische Whiskeys besser schmecken, schon darüber streiten die Puristen. Beim korsischen wird es noch ein bisschen spezieller.

Kurzum: Die A Santa di u Niolu, das Marienfest, ist ein Schnellkurs in korsischer Kultur. Die Insel liegt nur rund 180 Kilometer vom Mutterland entfernt, dennoch unterscheidet sie vieles vom französischen Festland. Nirgendwo in Frankreich, wo seit 1905 Laizismus herrscht, sind religiöse Bräuche so lebendig wie hier.

Vor allem aber spricht man hier Korsisch, das nicht nur die Älteren beherrschen. Und einen nicht übersehbaren italienischen Fußabdruck findet man auf Korsika, das von Italien nur knapp 90 Kilometer liegt und fünf Jahrhunderte von den Genuesen beherrscht wurde. Spuren davon findet man auch in der Küche. Die Melange französischer und italienischer Einflüsse hat Nudelgerichte hervor gebracht, die der Pasta vom Festland in nichts nachstehen.

Dass Korsika eine Welt für sich ist, zeigt sich auch am frühen Abend, als wir nahe Ghisonaccia an der Costa Serena mit ihren langen Sandstränden ein Glas Patrimonio zu uns nehmen. Der Wein gilt als der edelste Tropfen der Insel. Er wird vorwiegend aus der Rebsorte Nielluccio gewonnen, Trauben die im Mutterland nicht wachsen.

Tipps und Informationen

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Bastia. Nonstop etwa ab Berlin, Düsseldorf und Köln fliegt zum Beispiel Eurowings, ab Frankfurt und München die Lufthansa. Wer mit dem Auto anreist, kann von Nizza mit der Fähre von Nizza nach Bastia übersetzen.

Reisezeit: Auf Korsika herrscht mediterranes Klima mit trockenen, warmen und heißen Sommern. Im Winter ist es an der Küste mild und feucht, im Landesinneren sind die Berge oft noch bis in den Frühling hinein mit Schnee bedeckt. Ideale Reisezeit ist von April bis Oktober.

Übernachtung: Auf der Insel gibt es viele gute und anspruchsvolle Hotels, Resorts und Ferienhäuser. An den Küsten finden sich mehr als hundert Campingplätze mit direktem Zugang zum Strand.

Auskunft: http://de.france.fr



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.