Jacques Chirac wird 85: Polit-Tiger im Ruhestand

Von Sebastian Kunigkeit, dpa

Jacques Chirac nahm mit, was Frankreich an wichtigen Polit-Jobs zu bieten hat. Der leutselige Ex-Präsident ist bis heute beliebt – auch wenn er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Vier Jahrzehnte lang hat der hochgewachsene Energiebolzen Jacques Chirac die französische Politik geprägt. Doch inzwischen lebt der gealterte Staatsmann zurückgezogen, öffentlichen Veranstaltungen bleibt er schon seit mehreren Jahren fern. Seine Tochter Claude Chirac sagte vor Kurzem über ihre Eltern: «Sie führen beide ein friedliches Leben, und das ist gut so. Das war immer ihr Wunsch.» Am kommenden Mittwoch wird Chirac 85 Jahre alt.

In den vergangenen Jahren sorgten die Franzosen sich wiederholt um den Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten, mehrfach musste er ins Krankenhaus. Seine Familie hatte kürzlich empört zum Respekt seines Privatlebens aufgerufen, als ein Enthüllungsbuch Details aus dem Leben des Polit-Rentners ausplauderte. «Es geht ihm eher nicht schlecht», versicherte Claude Chirac in einem Interview.

Chirac hat eine atemberaubende Karriere hinter sich – und mitgenommen, was Frankreich an wichtigen Jobs hergibt: zahlreiche Regierungsposten, zweimal Premierminister, zwölf Jahre an der Spitze des Staates (1995-2007). Ein Leben in den Palästen der Republik. Er punktete mit seiner Leutseligkeit – doch diese Volksnähe vereinte er in seiner Karriere stets mit einem knallharten Machtinstinkt. «Wie soll man einem Tiger widerstehen?», sagte sein Weggefährte Jérôme Monod einmal über den energiegeladenen Chirac.

Seine Frau Bernadette, die dem bekannten Charmeur über Jahrzehnte die Treue hielt, lernte Chirac an der Polit-Universität Sciences-Po kennen. Die politische Laufbahn des Gaullisten begann in den 1960er Jahren im Fahrwasser des späteren Präsidenten Georges Pompidou, der ihn «meinen Bulldozer» nannte. Sprungbrett nach ganz oben wurde das Pariser Rathaus, wo Chirac zwei Jahrzehnte Bürgermeister war. 1995 gelang ihm im dritten Anlauf der Umzug in den Élyséepalast.

Zwei schallende «Non» prägten seine Amtszeit: An der Seite des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder verweigerte er sich 2003 dem amerikanischen Irakkrieg. Eine Niederlage für Chirac war dagegen das Nein der Franzosen zum Entwurf einer Europäischen Verfassung, das die EU in eine Identitätskrise stürzte. Weltweite Kritik erfuhr Chirac nach einer Serie von Atombomben-Tests in der Südsee. Er war aber auch der Erste, der die Mitverantwortung des französischen Vichy-Regimes an der Juden-Deportation anerkannte. «Eine Rede für die Geschichte», wie ein Chirac-Kenner später sagte.

Zwiespältig fällt auch seine innenpolitisches Bilanz aus. Chirac stand je nach politischer Wetterlage eher links, eher rechts und dann wieder in der Mitte. Seine Wiederwahl 2002 bescherte ihm 82 Prozent Zustimmung: Weil der rechtsextreme Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen es in die Stichwahl geschafft hatte, stimmten auch Linke murrend für Chirac. Für große Reform-Würfe nutzte er das allerdings nicht.

Schließlich wurde Chirac als erster Ex-Präsident der Fünften Republik strafrechtlich verurteilt – wegen Mauscheleien in seiner Zeit als Bürgermeister. Dem Prozess musste er wegen ärztlich attestierter Gedächtnisstörungen nicht beiwohnen.

Mit dem Abstand von seiner Amtszeit rückt immer mehr eine ganz andere Seite von Chirac in den Vordergrund: sein Faible für die Kunst außereuropäischer Kulturen, denen er als Präsident ein eigenes Museum in Paris schuf. Im Musée du Quai Branly Jacques Chirac wurden am Donnerstag auch die Preise seiner Stiftung vergeben, die Kulturprojekte für den Frieden fördert.



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