Trauer um Johnny Hallyday: Ein Musiker, wie Frankreich ihn liebte

In Frankreich galt er schon zu Lebzeiten als Legende: Nun ist der französische Sänger Johnny Hallyday im Alter von 74 Jahren gestorben. Er brachte in den 60er-Jahren den Rock ’n‘ Roll nach Frankreich. Ulrich Wickert erklärt, warum er in seinem Heimatland zu einer Ikone wurde.

Hallyday, der mit bürgerlichem Namen Jean-Philippe Smet hieß, verkaufte in seiner mehr als 50-jährigen Karriere über 100 Millionen Tonträger – darunter Ohrwürmer wie „Ma gueule“ und „Oh, ma jolie Sarah“. Er starb an den Folgen einer Krebserkrankung

Das letzte französische Idol sei gestorben, titeln die französischen Zeitungen heute. Außerhalb des „Planeten Frankreich“ sei der Showstar Johnny Hallyday allerdings weniger bekannt gewesen, erklärt Ulrich Wickert. „Er kam auf die Bühne und das Volk liebte ihn, weil er mit ihm kommunizieren konnte.“ Er habe sich in der Thematik der Lieder und in der Art zu singen vor allem darauf konzentriert, was in Frankreich gerade gut ankommt, so der ehemalige ARD-Korrespondent in Frankreich.

Johnny Hallyday spielte auch in zahlreichen Filmen mit unter anderen von Jean-Luc Godard. In der Kultur und Politik sei er gut vernetzt gewesen: „Er verkehrte mit berühmten Autoren wie Marguerite Duras, die ihn auch bewunderten. In der Politik unterstützte er Valéry Giscard d’Estaing, später Sarkozy, zu dessen Geburtstagsfeten hat ihn Carla Bruni eingeladen, und er unterstützte auch Chirac.“ Den Namen Hallyday habe er von seinem Adoptivvater angenommen, so Wickert.

„In jedem von uns steckt etwas von Hallyday“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte den Sänger mit dem Ausspruch, dass „in jedem von uns etwas von Hallyday“ stecke. „Von Johnny Hallyday werden wir weder den Namen noch die Schnauze oder die Stimme vergessen.“ Er habe einen Teil von Amerika „in unser nationales Pantheon“ gebracht.

Der Tod Hallydays sei seit dem Bekanntwerden das alles dominierende Thema in französischen Fernseh- und Hörfunksendern, berichtet unser Frankreich-Korrespondent Jürgen König – vergleichbar wie nach dem Tod von Michael Jackson. „Frankreich weint an diesem Morgen“, sei der Tenor der Berichterstattung.

Ein Teil seines Ruhmes sei dadurch zustande gekommen, dass er sich immer als einen einfachen Menschen bezeichnet habe. „Er hatte auch viele Affären, Drogenprobleme, musste mit dem Vorwurf der Vergewaltigung leben – das alles hat ihm aber nie geschadet.“ Im Gegenteil: Die Menschen hätten ihn „als einen von uns“ wahrgenommen.

„Johnny war immer da“

Es gab keinen größeren Popstar in Frankreich, sagt der Musikjournalist Gerd Heger. Hallyday habe seit den 60er-Jahren Rock’n’Roll gemacht, Blues, Filme gedreht und gigantische Konzerte gegeben. „Er war ein genialer Interpret“, so der Experte für französische Musik. Er sei immer präsent gewesen.



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